Nachhaltiges Design neu definiert
Wie Schönheit und Zusammenarbeit nachhaltiges Design vorantreiben.
Nachhaltiges Design ist überall. Und doch wird es oftmals falsch verstanden. Geht es um Materialien? Zahlen? Minimalismus? Oder geht es einfach darum, dem Planeten weniger zu schaden?
Zum Auftakt von 2026 sprachen wir offen mit unserem langjährigen Papierpartner Mohawk darüber, wie nachhaltiges Design wirklich in der realen Welt aussieht (jenseits von Schlagworten, Checklisten oder Materialaustausch).
Melissa Stevens, CMO von Mohawk; Gavin Gaynor, Leiter für Forschung und Entwicklung bei Mohawk; Toby Hextall, Global Director of Product Design bei MOO; und Luke Landers, Head of Sustainability bei MOO, nahmen an dem Gespräch teil. Zusammen überlegten wir, wie Nachhaltigkeit sich in jeder Phase des Produktzyklus zeigt: von frühen Designentscheidungen und der dazugehörigen Geschichte über Transport und Verpackung bis hin zu dem, was passiert, nachdem das Produkt genutzt wurde.
Table of contents
- Design ist wo Wirkung beginnt
- Warum Schönheit nicht der Feind ist
- Storytelling schafft Bedeutung
- Unsichtbare Nachhaltigkeitsaspekte
- Den Daten folgen
- Gestalten für das, was danach kommt
- Zusammenarbeit = Fortschritt
- ‚Premium’ neu definieren
- Fortschritt (nicht Perfektion)
Die wichtigsten Infos
Nachhaltiges Design ist mehr als nur bessere Materialien wählen. Es ist ein System, das von Designentscheidungen, Ästhetik, Leistung, Logistik, Daten und Zusammenarbeit geprägt wird. MOO und Mohawk, beide führend im Bereich Design, Nachhaltigkeit und Forschung & Entwicklung, sprechen darüber, wie nachhaltige Produkte in der Praxis entstehen: von Transport und Verpackung über Storytelling und Lebenszyklusdaten, bis hin zur Neudefinition dessen, was premium wirklich bedeutet. Das Ergebnis? Ein klares Plädoyer für Nachhaltigkeit als einen fortlaufenden, gemeinschaftlichen Designprozess, nicht als eine einmalige Lösung.
Design ist wo Wirkung beginnt

„Nachhaltigkeit beginnt beim Design”, sagte Toby, Global Director of Product Design bei MOO. Indem er sich auf die viel zitierte Idee, dass bis zu 80 % der Umweltauswirkungen eines Produkts bereits in der Designphase bestimmt werden, berief, bezeichnete er Designer eher als langfristige Bewahrer statt lediglich Stylisten.
Nachhaltiges Design bedeutet nicht nur, am Ende des Prozesses recycelte Materialien einzusetzen. „Wir müssen grundlegendere Fragen stellen“, erklärte Toby. Müssen wir das herstellen? Welchen Zweck erfüllt es? Wie lange existiert es in unserer Welt?
Für Marken wie auch Designer ist Nachhaltigkeit untrennbar mit dem Vermächtnis verbunden. „Ich glaube nicht, dass es einfach ist ein bedeutungsvolles Vermächtnis aufzubauen, ohne Nachhaltigkeit miteinzubeziehen“, sagte er.
Warum Schönheit nicht der Feind ist
Eine der stärksten (und vielleicht kontraintuitivsten) Ideen, die aus dem Gespräch hervorging, war die Rolle von Schönheit beim Thema Nachhaltigkeit.
Gavin Gaynor, Leiter für Forschung und Entwicklung bei Mohawk, erwähnte ein einfaches Beispiel: die unverwechselbaren Visitenkartenboxen von MOO. „Ich kenne niemanden, der jemals eine erhalten hat und sie nicht noch immer besitzt“, sagte er. „Sie sind so wunderschön, ich kann es nicht über mich bringen, sie wegzuwerfen.“

Diese emotionale Reaktion ist wichtig. Ein Produkt, das geschätzt wird, wird wahrscheinlicher wieder verwendet, umfunktioniert oder aufbewahrt, wodurch seine Lebensdauer weit über seine ursprüngliche Funktion hinaus verlängert wird. In Tobys Worten: „Sobald sie etwas nicht wegwerfen wollen, haben Sie etwas erschaffen, das das richtige Maß an emotionaler Verbindung aufweist.“
Luke Landers, Head of Sustainability bei MOO, entwickelte die Idee weiter aus der Perspektive des Lebenszyklus. „Wenn man etwas erschaffen kann, das dazu bestimmt ist, geliebt zu werden, bringt man damit tägliche Freude. Es wird nicht nur geschätzt werden, sondern auch die Umweltauswirkung pro Nutzung wird täglich reduziert.“
In diesem Sinn ist Schönheit nicht Genuss, sondern Strategie. „Schöne Dinge sind die, die man auch in Zukunft nutzen möchte“, fügte Toby hinzu.
Storytelling schafft Bedeutung
Die emotionale Verbindung wird noch bedeutender, wenn diese mit Storytelling kombiniert wird. Ein Beispiel, das besprochen wurde, war das Baumwollpapier von der Zusammenarbeit von MOO und Mohawk aus 2017. Dabei handelt es sich um ein Material, das aus Stoffresten von Fast-Fashion T-Shirts hergestellt wird.
„Ja, es fühlt sich wunderschön und taktil an“, sagte Toby. „Aber man könnte auch sagen: ‚Das ist aus 100 % Modeabfällen hergestellt.‘ Das macht es unendlich wertvoller.“

Die Geschichte begleitet das Produkt nicht nur, sie multipliziert seine Wirkung. „Wenn Sie jemandem die Karte reichen, werden sie ‚Was ist das?‘ gefragt“, erklärte Gavin. „Und jetzt erzählen Sie die Geschichte. Und sie wird wieder und wieder erzählt.”
Melissa, CMO bei Mohawk, unterstrich, dass das Storytelling große Verantwortung trägt. „Wir können nicht annehmen, dass die Nachhaltigkeitsgeschichte verstanden wird“, sagte sie. „Es besteht ein dringender Bedarf, aufzuklären und zu erklären, worum es bei dem Material geht, warum es wichtig ist und wie die Kunden Teil dieser Erfahrung sein können.“
Unsichtbare Nachhaltigkeitsaspekte
Während die Materialien und das Storytelling oftmals im Scheinwerferlicht stehen, warten einige der größten Nachhaltigkeitsaspekte im Hintergrund.
„Ein kleiner, jedoch oftmals vergessener Aspekt ist der Güterverkehr“, sagte Gavin. „Das Produktdesign kann einen großen Einfluss auf die Transportemission nehmen.“
Designentscheidungen rund um Dicke, Dichte und Verpackungsgeometrie beeinflussen allesamt, wie effizient Produkte durch die Lieferkette transportiert werden. „Es ist das Verhältnis von Gewicht zu Volumen“, fügte Gavin hinzu. „Der Güterverkehr wird oftmals übersehen, wenn wir über nachhaltiges Design sprechen.“

Auch bei Verpackungen gibt es ähnliche Kompromisse. Mehr Schutz bedeutet oftmals mehr Materialien, oder mehr CO2-Emissionen. „Die Verpackung muss dem Zweck entsprechen“, sagte Gavin. Papier muss von Feuchtigkeit geschützt werden, um richtig zu funktionieren, aber kleinere Verpackungen erhöhen die Abfallmenge, selbst wenn sie recycelt werden.
„Es gibt keine perfekte Antwort“, fügte er hinzu. „Aber wir können besser informierte Entscheidungen treffen.“
Den Daten folgen
Nun, da Nachhaltigkeitsunterhaltungen zunehmend beliebter werden, sind gute Absichten nicht mehr genug. „Zeigen Sie mir die Zahlen“, wurde zur Standarderwartung.
Luke Landers, Head of Sustainability bei MOO, erklärte, dass Lebenszyklusanalysen unerlässlich für den Aufbau von Vertrauen sind. „Der Bericht schafft Glaubwürdigkeit“, sagte er. „Die Narrative schafft Verbindungen. Man braucht beides.”
Mohawks Lebenszyklusanalyse bot eine überraschende Einsicht. „Der größte Teil unseres CO2-Fußabdrucks kommt nicht von den Rohstoffen“, enthüllte Gavin. „Er stammt von der Verarbeitung in der Papiermühle, besonders vom Trocknen des Papiers.“

Tatsächlich stammen ungefähr 70 % des CO2-Fußabdrucks bestimmter Papierprodukte aus der Energie, die zur Wasserentfernung verwendet wird. „Es hat uns die Augen geöffnet”, sagte Gavin. „Wir wissen, dass viel Energie verbraucht wird, aber wenn man das dann schwarz auf weiß in den Produktdaten sieht, gibt es Anlass seine Prioritäten zu überdenken.
Und sobald ein Problem adressiert wurde, nimmt ein anderes dessen Platz ein. „Wenn man die Auswirkung von 70 % auf 10 % reduziert”, beobachtete Toby, „macht plötzlich etwas anderes die nächsten 80 % aus. Das ist einfach der Lauf der Dinge, wenn es um Fortschritt geht.“
Gestalten für das, was danach kommt
Nachhaltigkeit endet nicht mit dem Verkaufsabschluss. Was danach geschieht, das Nachleben des Produkts, ist genauso wichtig.
Manchmal ist das Nachleben emotional bedingt, wie eine Box, die zu schön ist, um sie wegzuwerfen. Manchmal ist es eine praktische Entscheidung, weniger sichtbar. „Ist es wiederaufbereitbar? Kompostierbar? Biologisch abbaubar?“, fragte Gavin. „Das sind drei verschiedene Dinge, und sie haben einen unterschiedlichen Einfluss auf Nachhaltigkeit.“

Ein kompostierbares Produkt funktioniert nur dann, wenn es ein richtiges System gibt. Ein recycelbares Produkt ist nur dann wirksam, wenn es leicht zu verarbeiten ist und nicht den Recyclingkreislauf verunreinigt. Um diese möglichen Folgen zu bedenken, muss man über den ersten Gebrauch und über die Ästhetik allein hinausblicken. Die nachhaltigsten Produkte werden nicht nur dazu designt, gut in der Welt zu existieren, sondern diese auch verantwortungsvoll zu verlassen.
Zusammenarbeit = Fortschritt
Im Verlauf des Gesprächs tauchte ein Thema immer wieder auf: nichts davon funktioniert ohne Zusammenarbeit. Nachhaltiges Design passiert nicht in Isolation. Es wird von geteilter Erfahrung, ehrlichen Kompromissen und dem Willen, Probleme zusammen zu lösen geformt.
„Nichts davon passiert in einem Vakuum“, sagte Melissa. „Es ist die disziplin- und partnerübergreifende Zusammenarbeit, die Fortschritt möglich macht.“ Wenn Design, Nachhaltigkeit, Betriebsleitung und Fertigung alle am gleichen Tisch sitzen, werden bessere Fragen gestellt und bessere Resultate folgen.
Für Luke waren diese Partnerschaften von grundlegender Bedeutung. „MOOs Nachhaltigkeitsbestrebungen wurden unglaublich von diesen langjährigen Beziehungen zu wichtigen Partnern wie Mohawk unterstützt. Diese Stabilität und die gemeinsame Einstellung zur Verbesserung haben uns buchstäblich Jahre weiter gebracht, als wir es hätten allein schaffen können.“ Es ist diese Beständigkeit – die Zusammenarbeit von Partnern, die sowohl Ambitionen als auch Verantwortlichkeit teilen – die Nachhaltigkeit von Absicht in Taten verwandeln.
‚Premium‘ neu definieren
Nachhaltiges Design stellt auch die lang geglaubten Annahmen beim Thema Luxus in Frage.
„Wenn premium nur leuchtendes, weißes Papier bedeutet“, sagte Gavin, „eliminieren Sie eine Vielzahl an nachhaltigen Materialien.“

Nicht alle Materialien sind für alle Anwendungen geeignet, aber jedes Material hat seinen Platz. Ungebleichte, texturierte oder unübliche Fasern können sich genauso gewollt, wünschenswert und premium anfühlen, wenn diese mit Bedacht für ihren Zweck gewählt wurden.
In Tobys Worten: „Nachhaltigkeit und gutes Design sind heutzutage unzertrennlich. Es gibt keine Entscheidung dafür, dass es nicht hochwertig aussieht und sich auch so anfühlt, auch wenn premium heute anders aussieht als zuvor.“
Fortschritt (nicht Perfektion)
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis von diesem Gespräch ist, dass es bei nachhaltigem Design nicht um fehlerfreie Ergebnisse geht. Es geht darum, etwas zu bewegen.
„Es ist nie eine einmalige Sache“, sagte Toby. „Wenn es so wäre, hätten wir das schon längst abgehakt.“
Stattdessen hält Nachhaltigkeit Designer, Fertigung und Marken in Bewegung, indem sie von Daten lernen, Kompromisse willkommen heißen und gemeinsam an besseren Ergebnissen arbeiten.
Nachhaltiges Design ist nicht das Ziel. Es ist ein System. Und wenn Schönheit, Leistung, Daten und Zusammenarbeit gemeinsam an einem Strang ziehen, beginnt dieses System das zu tun, wofür es immer gedacht war: uns voranzubringen.
Bei MOO sind wir überzeugt davon, dass großartiges Design mehr tun sollte, als nur gut aussehen: es sollte mit Bedacht, verantwortungsvoll und unter Berücksichtigung seines gesamten Lebenszyklus hergestellt werden. Wir arbeiten weiterhin mit Partnern wie Mohawk, um die Grenzen von nachhaltigem Design auszuloten und Unternehmen dabei zu helfen Produkte zu entwickeln, die sich hochwertig anfühlen, hervorragend funktionieren und darauf ausgelegt sind, langlebig zu sein.
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