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September 16, 2019

Wie eine Malerin zum Superstar auf Instagram wurde

Kia Cannons ist eine inspirierende Heldin – eine Künstlerin, die früher nicht malen durfte und inzwischen ihren Stil, ihr Geschäft und eine Community voller Bewunderer entwickelt hat – alles durch ihre eigene Beharrlichkeit (und einen gesunden Schuss Humor)

Im ländlichen Surrey liegt ein kleines Dorf namens Farnham – der unwahrscheinliche Schauplatz eines künstlerischen Idylls: hier findet sich das Studio der abstrakten Künstlerin Kia Cannons, die unter dem Namen Sticks and Ink arbeitet. Wir haben Kia besucht, um mehr über ihr bemerkenswertes Talent herauszufinden – und darüber, wie sie, die als Schülerin nicht am Kunstunterricht teilnehmen durfte, eine erfolgreiche Karriere als Künstlerin aufgebaut hat.

Kia! Du bist zu einem großen Star auf Instagram geworden, bekannt für deinen unverwechselbaren Stil und deine wunderschöne Farbpalette. Wie hast du angefangen?

Ich wollte schon immer irgendetwas Kreatives machen. Ich habe jahrelang Projektmanagement und Büroarbeit gemacht, um meinen Mann zu unterstützen, als er sein Geschäft als Grafikdesigner aufbaute. Als wir mit der Uni fertig waren, wusste er, was er machen wollte und ich nicht. Also beschlossen wir, dass ich ihn unterstützen würde, während er das tat, und wir danach tauschen würden und ich das machen könnte, was ich wollte.

Ich wusste, dass ich etwas Kreatives machen wollte, aber ich wusste nicht, was. Als ich zur Schule ging, erlaubte mir die Kunstlehrerin nicht, Kunst als Wahlfach zu nehmen, weil ich ihrer Meinung nach nicht zeichnen konnte. Und als Kind habe ich das widerspruchslos hingenommen und es wirklich geglaubt.

Ich habe immer auf Erlaubnis gewartet – von wem, weiß ich nicht – und ich erinnere mich noch, wie ich immer am Fenster des Kunstsaals vorbeigegangen bin. Wenn ich all die Pinsel in Marmeladengläsern auf der Fensterbank sah, bekam ich aus lauter Verzweiflung Herzklopfen, weil ich unbedingt hineinwollte. Ich habe Jahre damit verbracht, sehnsüchtig in Studiofenster zu schauen.

Was war der Auslöser dafür, es schließlich anzugehen?

Dazu kam es, als mein Jüngster, der jetzt fünf ist, zwei Jahre alt war – ich war mit einer Freundin in einem örtlichen Kulturzentrum, wo wir ein Nähcafé besuchten, und dort fand gerade eine Ausstellung statt. Ich hatte so wenig mit Kunst zu tun, ich war noch nie wirklich auf einer Ausstellung gewesen. Dort sah ich all diese abstrakte Kunst und fühlte sofort: „Ich glaube, das könnte ich auch! Und ich glaube, ich will das machen!“  Meine Freundin schlug mir vor, einen Kurs zu belegen.

Ich redete mir aber immer noch ein, dass ich nicht zeichnen kann und dass es ja doch nur nur Materialverschwendung wäre. Aber auf dem Rückweg nahmen wir einen Prospekt für dieses Venue mit und darin waren alle möglichen experimentellen Kurse aufgelistet.

Ich begann im September, als mein Jüngster in die Vorschule kam –  seit ungefähr fünf Jahren hatte ich nichts für mich selbst getan und war nur Vollzeitmama gewesen. Der Gedanke, meinen Jüngsten in der Schule abzusetzen und anschließend einen Kunstkurs zu besuchen, kam mir geradezu dekadent vor!

Von da an war ich Feuer und Flamme – nach 2 Monaten hatten sie eine Ausstellung und ich habe ein paar Arbeiten dazu beigesteuert. Versuchshalber habe ich den Preis so hoch angesetzt wie den Wert, den sie für mich hatten – und eins meiner Werke wurde verkauft. Das war der Auslöser für mich. Ich gab mir zwei Jahre, um es zu schaffen, weil ich einfach nicht zurück in den Stadtjob in Verwaltung und Projektmanagement wollte!

Dein Stil kombiniert eine wunderbare, gestische Ausdrucksform mit Heißwachs-Batik – wo hast du diese Technik gelernt?

Ich habe die Heißwachs-Batik-Methode in dem experimentellen Kurs erlernt und sie einfach geliebt. Wir haben alle möglichen Techniken gelernt – Weben, botanische Malerei usw. Und als der Kurs zuende ging war mir klar, dass ich mit Farbe und Pinsel arbeiten wollte. Also begann ich, in der Richtung zu experimentieren und stellte fest, dass ich es einfach liebe, instinktiv zu malen, mit großen, gestischen Pinselstrichen. Und eigentlich noch nicht einmal mit Pinseln, ich male gerne mit Spachteln.

Dann habe ich Instagram entdeckt und festgestellt, dass es viele andere abstrakte Künstler gibt. Ich wollte nicht, dass meine Arbeit zu sehr dem ähnelt, was die Massen machen. Ich wusste, dass ich etwas wirklich Unverwechselbares finden musste. Die Heißwachs-Batik hat mich nie losgelassen – also dachte ich mir, ich muss sehen, ob ich beides kombinieren kann.

So habe ich also angefangen. Ich habe gelernt, dass mein Malstil gestisch ist, dass ich Heißwachs-Batik immer noch liebe und dass die Natur mich inspiriert: Berge, Seen, das Meer und das Wetter. In den letzten 18 Monaten habe ich diese Dinge miteinander verschmolzen – und dies ist dabei herausgekommen!

Deine Farbpalette ist so konsistent und so prägnant – wie kam es dazu?

Das ist ein Vorteil davon, keinerlei Erfahrung zu haben! Ich bin nach der Hälfte dieses Kurses in einen Kunstladen gegangen und dachte einfach ‚also gut, ich will malen‘.  Ich wusste nichts über den Unterschied zwischen Öl, Acryl, Aquarell, Gouache, NICHTS!  Stattdessen beschloss ich einfach, zu kaufen, was mich anspricht – was mir gefällt.

Ich mochte die Pastellfarben, sie waren schön ölig, wie Butter, also habe ich ein paar davon genommen. Dann ging ich zu den Acrylfarben und liebte all die Farben. Wenn man einen Kunstkurs beginnt, kann man eine dieser großen Paletten kaufen, die alles enthalten, aber ich habe sie mir angesehen und dachte ,hm, das sind alles Primärfarben‘. Und unbewusst haben sie mich wohl ein wenig abgestoßen, also bin ich stattdessen einfach herumgewandert und habe herausgepickt, was ich mochte. Als ich ungefähr sechs Farben gewählt hatte, habe ich gedacht ‚die passen so gut zusammen, mehr brauche ich nicht. Das ist es!’

Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann auch andere Farben verwenden werde, aber momentan liebe ich sie einfach. Das ist der erste Grund, warum ich so konsequent dabei geblieben bin, und der zweite ist Instagram. Ich habe dort Leute gesehen, die wirklich schöne, ästhetisch ansprechende Feeds haben. In der Anfangszeit habe ich Dinge gepostet, die ich in meinem Kurs gemalt habe und dann festgestellt, dass es mir nicht wirklich gefiel – ich wollte einen schönen Feed kreieren, um andere Leute zum Malen zu inspirieren.

So viele Leute, die mir folgen, sagen mir, dass meine Arbeit sie dazu inspiriert, selbst zu malen. Von daher glaube ich, dass es entscheidend ist, einen schönen Feed zu kreieren, um anderen Anregung zu geben.

Instagram war ein entscheidender Faktor für dich bei der Entwicklung deiner Arbeit – wie kam es dazu?

Also, ich suchte einen Weg, meine Arbeit visuell zu präsentieren. Ich habe mich für Instagram entschieden, weil es die visuellste Plattform ist, und dann jeden Abend damit verbracht, alles zu recherchieren, was damit zu tun hat: Hashtags, den Algorythmus, wie man die besten Fotos macht…ich habe wohl ein ganzes Jahr lang mitten in der Nacht Webinare in China besucht, um Leuten zuzuhören, die etwas wissen könnten, was ich noch nicht wusste.

Ich habe buchstäblich ein Jahr damit verbracht, wie ein Geek alles zu lernen, was ich konnte, weil ich mir dachte, wenn ich meine Arbeiten verkaufen will und Instagram dafür nutzen will, statt eine Website oder irgendetwas anderes, dann muss ich alles wissen, was dafür erforderlich ist.  Dann fing ich an, und als ich mehr Engagement bekam und meine Anhängerzahl zunahm, begann ich, meine Arbeit zu verkaufen. Ungefähr einmal die Woche postete ich etwas und gab es zum Verkauf frei, und dann war es innerhalb von 3 Minuten verkauft.

An diesem Punkt, nach ungefähr 6 Monaten, kam alles zusammen – mein Stil festigte sich, mein Feed fing an, schön auszusehen, ich wusste, wie ich Leute einbinden und großartige Inhalte erstellen konnte. Ungefähr zu dieser Zeit bekam ich die ersten Direktnachrichten von Leuten, die mich fragten: „Wie machst du es?“

Du hast außerdem ein äußerst erfolgreiches eBook geschrieben, um deine Kenntnisse weiterzugeben – wie kamst du darauf?

Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich einen Großteil des Tages damit verbrachte, Leuten zu sagen, dass es soviel gibt, was ich ihnen erzählen könnte, dass ich ein Buch schreiben müsste, um alles abzudecken. Also habe ich es dann am Ende tatsächlich getan, nachdem ich es so oft gesagt hatte.

Das ist es, worum es mir geht: zu finden, was du im Leben liebst und es zu tun. Weil mir das so wichtig ist, wünsche ich es auch jedem Fremden, dem ich begegne. Also habe ich dieses eBook geschrieben, in der Hoffnung, dass andere Menschen das Gleiche Wachstum erfahren wie ich – und auch, um nicht die ganze Zeit E-mails zu schreiben, wenn ich stattdessen malen sollte.

Ich habe es in kurzen Abschnitten geschrieben. Ich musste einmal die Woche zur Physiotherapie und es war ein weiter Weg. Ich hatte immer Angst, zu spät zu kommen und meinen Termin zu verpassen, also kam ich immer sehr früh an und setzte mich in ein Café in der Nähe, um dieses Buch zu schreiben. Und es kam sehr schnell zusammen – ich hatte das Gefühl, alles zu Papier gebracht zu haben, was ich im Kopf hatte, und es verkauft sich immer noch sehr gut. Es ist praktisch ein ganzes Jahrespensum an Ratschlägen auf einmal. Seit ich es verkaufe, kann ich mich wieder auf meine Malerei konzentrieren.

Besteht dein Publikum hauptsächlich aus potentiellen Sammlern deiner Kunst oder Leuten, die Inspiration für ihre eigene Kunst suchen?

Es ist eine Herausforderung, allen gerecht zu werden, denn ich habe ein wirklich gemischtes Publikum – potentielle Sammler, viele Künstler in einer früheren Phase ihrer Karriere, aber auch kreative Kleinunternehmen, die zufällig auf mich gestoßen sind, gesehen haben, wie ich gewachsen bin und sich fragen, wie ich es gemacht habe.

Jeden Sonntag gebe ich Tipps und verrate Tricks, einfach ein wenig Information und Hilfe für Leute, die mir folgen. Ich bekomme viele Nachrichten von Leuten, die mich als Mentorin betrachten – ich  bezeichne ich mich als eine zufällige Instamarketeerin, weil ich nicht wirklich geplant hatte, es so zu machen!

Erzähl’ uns von deinen MOO-Karten!

MOO hat mich auf dem ganzen Weg begleitet! Seit mir eine Solo-Ausstellung in einer Bar angeboten wurde, in der Anfangszeit. Sobald ich erfuhr, dass eine Ausstellung bevorstand, wusste ich, dass ich Visitenkarten brauchte! Ich wusste, dass ich meine Gemälde branden musste, damit jemand, der eins kauft, meine Details mit nachhause nimmt, auch wenn ich nicht da bin. Also klebe ich eine Visitenkarte auf die Rückseite jeder Arbeit.

Als ich dann anfing, online zu verkaufen, wollte ich Sticker zur Dekoration auf meine Verpackungen kleben, um das Auspackerlebis aufregender zu machen. Dann hatte ich einen Pop-up-Stand, und habe Briefkarten erstellt und im Pack verkauft, zusammen mit anderen Karten, die ich zurechtschnitt, um Geschenkkärtchen daraus zu machen. Wenn ich ein großes Gemälde verkaufe, füge ich der Verpackung auch immer eine handgeschriebene Dankeskarte bei. Also ist MOO immer bei mir!

Du hast deinen Arbeitsraum vor kurzem von zuhause in ein Studio verlegt – wie hältst du deine Work-Life-Balance?

Ich hatte schon seit Ewigkeiten vor, großformatig zu malen – aber ich war buchstäblich durch die Größe meines Esstischs eingeschränkt. Ich hatte überall Zeug herumliegen, sogar auf Stühlen, also wurde mir klar, dass ich wirklich ein Studio brauchte. Glücklicherweise erfuhr ich durch The Maltings, ein Kunstzentrum in Farnham, dass dieser Raum verfügbar war – also rief ich an und bekam ihn sofort.

Das Schwierigste an meiner Arbeit ist, dass die Heißwachs-Batikschicht flach aufgetragen werden muss, es geht nicht auf einer Staffelei. Und weil es so lange dauert, bis jede Schicht trocken ist, arbeite ich meist an bis zu 20 Stücken zugleich. Es ist eine Sache, wenn es sich um kleinere Arbeiten auf Papier oder Leinwand handelt, aber bei großen ist es auf kleinem Raum fast unmöglich. Also weiß ich nicht so recht, was passieren wird – aber ich brauche definitiv mehr Platz!

In Bezug auf meine Zeiteinteilung nehme ich die Tatsache sehr ernst, dass ich entweder Künstlerin oder Mutter bin. Wenn meine Kinder aus der Schule kommen, war’s das, dann bin ich wieder ganz und gar Mama. Ich habe versucht, beides gleichzeitig zu machen, aber ich habe realisiert, dass ich beides gut machen will – und das bedeutet, es zu trennen. Aber sobald sie im Bett sind, bin ich wieder in den Webinaren und dergleichen zugange,  um ständig zu lernen – ich halte immer Ausschau nach der nächsten Sache!

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