March 3, 2017

„Unser Prozess ist unser Produkt“ – Branding einer UX-Agentur

Wenn Ihr Unternehmen um das Konzept herum aufgebaut ist, Mitarbeiter in den Büros Ihrer Klienten abzustellen, wie behalten Sie dann die Kontrolle über Ihre Marke?  Um das herauszufinden, haben wir uns mit 100 Shapes unterhalten, einer in Großbritannien ansässigen UX-Designagentur. 

In einer neuen Disziplin zu arbeiten – der digitalen Designkunst in der User Experience – und ein Geschäftsmodell zu betreiben, das auf enger Zusammenarbeit mit Kundenorganisationen basiert, ist ein Rezept für ein Unternehmen, dem es schwerfallen könnte, seine eigene Identität zu wahren. Doch 100 Shapes gelingt es. Mitbegründer Chris Elphick  erzählte uns ihre Geschichte.

UX ist eine relativ neue Disziplin – was hat Sie und Ihre Mitbegründer davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war?

Die anderen Gründer und ich haben uns kennengelernt, als wir bei der BBC gearbeitet haben. Wir hatten alle kleine Nebenprojekte, während wir dort waren. Wir haben unterschiedliche Hintergründe und komplementäre Fähigkeiten, also beschlossen wir, den Sprung zu wagen und unsere eigene Agentur zu gründen – wir sind jetzt seit 5 Jahren im Geschäft und spezialisieren uns darauf, digitale Produkte und Geschäftssysteme für große Organisationen zu entwickeln.

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Was ist das Besondere an Ihrer Art, zu arbeiten?

Unser Prozess ist unser Produkt. Wir wollen unsere Klienten miteinbeziehen, wenn wir ihre Produkte gestalten – wenn sie am Prozess beteiligt sind, bekommen sie einen Bezug zur Entwicklung des Produkts und zum Endergebnis. Um sicherzustellen, dass uns das gelingt, haben wir einen nutzerzentrierten Designprozess. Von der anfänglichen Ideengeneration über die Recherche bis hin zur Testphase involvieren wir die Leute, für die wir designen, von Anfang bis Ende – es ist wirklich kollaborativ!

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Das ermöglicht uns, ein Produkt zu entwickeln, das den Bedürfnissen unserer Kunden wirklich gerecht wird. Wir inkorporieren Feedback in unsere Tagesstruktur – unsere Designer sind oft vor Ort bei unseren Klienten in ihren Büros und binden sich in ihr internes Team ein. Wir konzentrieren uns darauf, Feedback zu sammeln und ein Produkt von höchster Qualität zu entwickeln.

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Wir nehmen uns die Zeit, unsere Klienten zu verstehen – wir müssen alles und jeden bei der Entwicklung unserer Produkte berücksichtigen. Wir verstehen, dass wir es mit Legacy-Software, riesigen Teams und großen Budgets zu tun haben. Es steht viel auf dem Spiel und das Endprodukt ist entscheidend für den Erfolg. Es ist ein kompliziertes Durcheinander und wir lieben es, Probleme zu lösen!

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Wie nutzen Sie Ihre Marke, um zu erklären, wer Sie sind?

Wir arbeiten innerhalb der Organisationen unserer Klienten mit Leuten auf allen Ebenen zusammen, von denen einige nicht damit vertraut sind, was UX eigentlich ist, also sind wir bestrebt, den Begriff durch unser Markenmaterial und Kommunikation zu de-mystifizieren. Wir versuchen auch, den Wert von UX aus verschiedenen Blickwinkeln zu veranschaulichen, je nachdem, mit wem wir sprechen. Bei einem Meeting mit einem Klienten auf CEO-Ebene versuchen wir, die Investitionsrentabilität von UX in unseren Präsentationen zu erklären.

Wenn wir mit dem Manager eines Teams sprechen, konzentrieren wir uns darauf, zu erklären, wie unser Prozess funktioniert und wie die Mitwirkung von Mitgliedern des Teams am Designprozess zur Entwicklung eines besseren Tools führt.

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Wie wahren Sie Ihre eigene Identität, während Sie wachsen?

Wir lieben es, innerhalb der Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, sichtbar zu sein. Wir sorgen dafür, dass unsere Marke ihre eigene Identität hat, und dass sie für sich selbst spricht – wir wollen, dass die Leute uns mit dem UX-Prozess assoziieren. Wir haben Notizbücher, Laptoptaschen, Skizzenbücher und Tragebänder mit unserem Branding – wir integrieren uns in den Unternehmen, in denen wir arbeiten, aber diese Ausrüstung haben wir überall dabei.

Es gibt ein paar Dinge, an denen wir festhalten werden, unabhängig von unserem Wachstum: Erstens, die Qualität unseres Designs. Zweitens, die Unternehmenskultur – sie macht uns zu dem, was wir sind. Wir haben einen Workshop veranstaltet, um unsere Unternehmenswerte zu definieren – als Orientierungshilfe für neue Mitarbeiter – und sie auf  Postkarten gedruckt. Es war toll, alle in den Prozess zu involvieren, weil es das ist, was uns alle verbindet, nicht nur als Designer, sondern auch als Freunde.

Wir sind vollkommen digital ausgerichtet, aber es hat etwas, ein physisches, greifbares Objekt zu haben – es gibt einem ein Gefühl, das man vom Digitalen nicht bekommt. Etwas auf Papier zu drucken, sei es ein komplettes Design oder nur eine Skizze, hat Permanenz. Und wir verteilen die Postkarten mit unseren Unternehmenswerten an alle Teammitglieder, um sie daran zu erinnern, warum wir morgens aufstehen und warum wir lieben, was wir tun.

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Was steht bei Ihnen demnächst Spannendes an?

Wir haben eine laufende Zusammenarbeit mit ITV, wir sind Teil ihres „Technologie-Modernisierungsprogramms“ und gestalten alle ihre internen Tools, was großen Spaß macht. Mit Burberry arbeiten wir an einer ähnlichen Sache, wir entwickeln Tools, die zur Effizienzsteigerung beitragen. Außerdem haben wir kürzlich das Büro erweitert und werden demnächst noch mal erweitern! Bleiben Sie dran!

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