December 4, 2017

„Strebe danach, Dinge zu kreieren, die die Leute behalten wollen“

Illustrator und Designer Tim Easley ist bekannt für seine leuchtende Farbpalette und seine markanten Linien, doch Designer zu werden war nicht immer sein Plan. Jetzt zählt Tim Nike und Etsy zu seinen Klienten – aber wie hat er sie gelandet?

Tim Easleys Design-Karriere war gewissermaßen unbeabsichtigt. Inhaber eines Plattenladens in den 90ern, kam Tim später eher zufällig zum Design und entwickelte seinen jetzt unverkennbaren Stil, der sich in all seinen persönlichen Arbeiten und Kundenaufträgen wiederfindet. In seinen eigenen Worten besteht seine Arbeit aus „leuchtenden Farbpaletten und markanten Linien, fusioniert mit verspielten Buchstaben und handgezeichneten Schriftzügen.“

Beeinflusst von urbanem Kitsch, der Natur und Leuchtreklamen, hat Tim ein fantastisches Kundenportfolio aufgebaut, darunter Nike, BBC, Etsy und Disney. Aber wie wurde aus dem Plattenladenbesitzer ein Designer für Nike? Und wie ist es ihm gelungen, bequem von seinem Wohnzimmer aus ein so erfolgreiches Freelance-Geschäft aufzubauen?

Tim! Wie bist du zu Design und Illustration gekommen?

Ich habe tatsächlich nie formal Design studiert. In den 90ern hatte ich einen Plattenladen im Süden Londons und wir konnten uns nicht leisten, jemanden dafür zu bezahlen, das Design für uns zu machen, also habe ich es selbst versucht. Ich habe ein wirklich schlechtes Logo gestaltet, eine Website erstellt und ein paar Flyer designt.

Nebenbei habe ich noch an ein paar anderen Geschäftsideen gearbeitet, unter anderem an einer Sneaker-Website, und dann schließlich auch dafür das Design gemacht.

Ein paar Jahre später fing ich an, nach Designjobs und freiberuflichen Projekten zu suchen – mittlerweile wusste ich, dass das der Weg war, den ich gehen wollte. Ich designe jetzt seit ungefähr 6 oder 7 Jahren.

Warum hast du beschlossen, dein eigenes Unternehmen zu starten?

Zwischen meinen freiberuflichen Aufträgen habe ich für ein paar große Marken inhouse an verschiedenen Projekten gearbeitet, aber es passte nicht zu mir. Ich arbeite gerne zu unterschiedlichen Tageszeiten, ich fange oft gegen Mittag an und arbeite dann bis 10 Uhr abends. Mein Prozess involviert viel Nachdenken – wenn man in einem Büro mit ca. 200 Leuten sitzt und jeder mit gesenktem Kopf still vor sich hin arbeitet, ist es schwierig, in Experimentierstimmung zu kommen. Die Selbständigkeit erlaubt mir, so zu arbeiten, wie es mir passt.

Du hast mit einigen namhaften Klienten zusammengearbeitet – was hast du am Anfang gemacht, um dein Portfolio aufzubauen?

Nike US war einer meiner ersten großen Klienten, im Jahr 2012. Sie hatten meine Arbeit auf Tumblr entdeckt – ich hatte sie nicht mal selbst gepostet,  jemand anders hat es getan! Ich bekam eine Email von ihnen [Nike] und darin stand, dass sie meine Arbeit entdeckt hatten und ein Design für ein T-Shirt wollten.

Nike haben viele Agenturen, die für sie arbeiten, und dadurch kamen einige andere Kollaborationen zustande, wenn sie [die Agenturen] Aufträge für eine Kampagne oder dergleichen erhielten. Aber ich muss dazu sagen, dass Agenturen mich auch immer noch oft auf Social Media finden – ich poste viel auf Instagram.

Du hast eine zeitlang in Tokio gearbeitet – hat das deinen Stil beeinflusst?

Ich liebe Tokio, ich war jetzt ein paarmal dort. Es ist so hell – es gibt so viele Lichter und es kann ganz schön überwältigend sein, wenn man zum ersten Mal dort ist. Ich liebe die Neonbeleuchtung und die Kultur. Ich würde definitv sagen, dass es meinen Stil und meine Arbeitsweise beeinflusst hat.

Erzähl‘ uns über deine Vorgehensweise. Wie gehst du an Kundenaufträge heran?

Wenn ich einen Auftrag erhalte, versuche ich soviel Information wie möglich vom Klienten zu bekommen. Dann denke ich eine Weile darüber nach, wie ich es angehen werde.

Ich habe ein sehr gutes visuelles Vorstellungsvermögen, daher ist es mir möglich, eine Menge der anfänglichen Sachen im Kopf zu planen, oft während ich auf dem Sofa oder im Bett liege. Manchmal kommen mir sogar im Schlaf Ideen, was eine schöne Art zu arbeiten wäre, wenn ich mein Gehirn trainieren könnte, das öfter zu machen!

Je nachdem, ob ich in einem reglementierten oder fließenden Stil arbeite, fange ich damit an, Formen in Illustrator zusammenzustellen oder grobe Ideen zu skizzieren. Der Klient gibt dann sein Feedback und ich bearbeite meine Illustration oder mache weitere Skizzen, wo nötig. Wenn alles abgeklärt ist, zeichne ich meine endgültigen Skizzen nach und mache die Dateien für den Klienten fertig.

Du führst dein Geschäft von deinem Heimstudio aus – wie verwaltest du deine Zeit, und hast du Tipps für andere, die darüber nachdenken, ihr eigenes Heimstudio einzurichten?

Ich habe keine wirkliche Routine, aber ich nehme immer nur einen Auftrag zur Zeit an. Alles hat generell sehr kurze Terminfristen – manchmal habe ich nur ca. 2 Wochen, um an einem Projekt zu arbeiten, also neige ich dazu, in dieser Zeit intensiv zu arbeiten und möglichst anschließend eine kleine Pause einzulegen, um zu reflektieren, bevor ich mit dem nächsten Projekt beginne.

Ich denke, es ist wichtig, herauszufinden, wie man gerne arbeitet – ich bin gerne zuhause und ich mag viel Ablenkung. Beim Zeichnen braucht man manchmal nicht viel zu denken, also habe ich immer den Fernseher oder Musik an. Das funktioniert für mich – aber es wird nicht für jeden funktionieren, also sollte man sich Zeit dafür nehmen, herauszufinden, was für einen selbst richtig ist.

Meine Freundin arbeitet auch selbständig – sie ist DJ. Alle paar Monate setzen wir uns zu einem Geschäftsmeeting zusammen. Wir diskutieren, was wir im nächsten Monat, in den nächsten 6 Monaten oder sogar im nächsten Jahr erreichen wollen und setzen uns ein paar Ziele. Es hilft wirklich, jemanden zu haben, mit dem man diese Sachen durchsprechen kann.

Welche Rolle hat Social Media in deiner Karriere gespielt?

Social Media hat eine enorme Rolle in meiner bisherigen Karriere gespielt. Wie bereits erwähnt, hat Nike mich durch Tumblr gefunden und jetzt bekomme ich viele meiner Aufträge durch Instagram. Einige Leute wenden sich sogar direkt über diesen Kanal an mich, statt per Email.

Im Laufe der Zeit habe ich angefangen, mich auf Instagram, Behance and meine Website zu konzentrieren. Es gibt jetzt so viele soziale Netzwerke – es kann wirklich überwältigend werden und man läuft Gefahr, seine Arbeit und seine Präsenz zu verwässern, wenn man versucht, sich auf sie alle zu konzentrieren – ganz zu schweigen von der zusätzlichen Arbeitsbelastung, die mit der Verwaltung all der verschiedenen Web-Accounts einhergeht.

Wie nutzt du MOOs Produkte?

Wenn jemand eine meiner Arbeiten kauft, lege ich immer eine Visitenkarte oder einen Sticker mit ins Paket. Davon abgesehen nutze ich Visitenkarten auf eine etwas merkwürdige Art – ich verteile sie nicht sehr oft. Ich liebe es, Karten zu gestalten und dann eine Menge Fotos davon zu machen und sie auf Social Media zu stellen. Da ich nicht oft zu Kundenmeetings gehe, ist es für mich eine zusätzliche Gelegenheit, meine Details und Designs unter die Leute zu bringen.

Ich habe ein paar Karten für meine Freundin entworfen – sie trifft ständig Leute, also sind Visitenkarten wirklich wichtig für sie. Wenn sie sie verteilt, fragen die Leute immer, ob sie mehrere haben können – was genau das ist, was ich erreichen will: etwas zu kreieren, das jemand behalten möchte.

Was sind deine Tipps für angehende Illustratoren, die ihr eigenes Unternehmen starten wollen?

Wähle einen sozialen Kanal, der dich und deine Arbeit am besten repräsentiert und konzentriere dich darauf. Du brauchst nicht in jedem einzelnen sozialen Netzwerk aufzutreten, um erfolgreich zu sein und Beachtung für deine Arbeit zu finden.

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