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April 25, 2019

Selbstreflexionen: Soofiya über Selbstdarstellung in der Kunst

MOO hat sich mit der Künstlerin, Erzieherin und Friday Night Sketch Moderatorin Soofiya getroffen, um über ihre farbenfrohe Identitätsforschung und Tipps für angehende Designer zu sprechen.

Visual Artist Soofiya lebt in der Nähe von London. Ihre hellen Illustrationen, markanten Montagen und pädagogischen Workshops wollen Themen rund um Geschlecht, Identität und Herkunft aufgreifen und diskutieren.

Als Absolventin des Fachs Grafikdesign an der Ravensbourne University in North Greenwich gibt Soofiya Grundkurse in Kunst und Design und entwirft Gestaltungen für künstlerische Räume wie die Tate Gallery, das Victoria and Albert Museum und das Barbican Arts Centre.

Nachdem sie das Event Friday Night Sketch im Design Museum zum Thema „Mapping Memories“ moderiert hatte, hat sich MOO mit Soofiya getroffen, um über Sichtbarkeit, Selbstakzeptanz und die Vorteile eines „Schlafzimmerreichs“ zu sprechen.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre Herkunft und wie Sie zum Design gekommen sind.

Ich lebe bei meinen Eltern, die aus Pakistan stammen, im Haus meiner Kindheit. Ich hatte am College und in der Schule eine harte Zeit, aber das Grafikdesign hat mein Leben in jeder Hinsicht verändert. Ich kam nach Hause, setzte meine Kopfhörer auf und zeichnete. Die Welt um mich herum existierte nicht. Es gab nur mich und das, was ich gestaltete. Ich konnte Berge erschaffen und sie versetzen – ich konnte alles.

Ich fühlte mich derart machtlos in meinem Leben, dass diese Ermächtigung durch Kunst für mich einen Wendepunkt dargestellt hat, und das versuche ich im Rahmen meiner Lehrtätigkeit zu vermitteln. Wenn ich jemand anderem auch nur einen Bruchteil dieses Gefühls vermitteln kann, habe ich meine Arbeit getan.

Wie hat Ihr Identitätssinn Ihre Arbeit beeinflusst?

Als ich aufwuchs, fand ich niemanden da draußen in der Welt, der so war wie ich – dunkelhäutig, mit zotteligem Haar und ganz klar nicht konform – und das kann sehr hart sein. Wenn man sich selbst nicht in der Welt findet, woher weiß man dann, dass man existiert? Woher weiß man, dass man dazugehört?

Wenn es etwas gibt, das ich nicht verstehe oder das mich traurig macht, baue ich dazu ein Projekt auf, um es zu erkunden. In den letzten Jahren habe ich meine Arbeit dazu verwendet, den Blick auf Ideen rund um Identität, Herkunft, Geschlecht und Immigration zu lenken.

Ich hatte auch nie einen Lehrer wie mich, was einer der Gründe ist, warum ich unterrichte. Indem man da ist und lehrt, kann man der Mensch sein, den man selbst gebraucht hätte, aber für alle anderen. Man kann der Mensch sein, den man gerne getroffen hätte.

Die Figur „Soof the Floof“ erscheint regelmäßig in Ihrer Arbeit. Können Sie die Inspiration erläutern, die dahinter steckt?

Soof The Floof ist im Grunde ein geschlechtsloser, gallertartiger Klecks. Ich nahm an einem Sommerkurs der Tate Gallery teil, und man gab uns einen Klumpen Ton, um daraus etwas zu gestalten – irgendetwas. Ich fragte mich, wie ich mich selbst darstellen könnte, und die Partien meines Körpers, mit denen ich mich unwohl fühle: mein Gewicht, meine zotteligen Haare, die Art, wie ich bin.

So gestaltete ich ein Objekt, das all dies repräsentierte – aber obwohl es Teile meiner selbst verkörperte, die ich nicht mag, war es immer noch liebenswert. Wie könnte man Soof the Floof hassen?

Etwas, das ich in meiner Arbeit wirklich weiterentwickelt habe, ist der therapeutische Wert des Designs, und Soof the Floof ist eine Methode geworden, über schwierige Themen zu sprechen wie Geschlecht und Rasse, und zwar auf eine verspielte, zugängliche Art und Weise. In meinen Workshops bitte ich die Teilnehmer, ihre eigenen Floofs zu gestalten – das ist ein wunderbarer Aufhänger für eine Diskussion.

Auf welches Ihrer bisherigen Projekte sind Sie besonders stolz?

Letztes Jahr habe ich eine Ausstellung mit dem Titel Soof in Private organisiert. Ich stellte meine Google Suchchronik auf einer Wand aus, meine privaten Nachrichten auf einer anderen, und sowohl meinen öffentlichen als auch meinen privaten Instagram-Account.

Es gab einen Dialog zwischen den beiden, der sich auf dem Smartphone so nie ergeben würde, und wenn man beide nebeneinander an der Wand sieht, erkennt man, dass sich Identität sehr stark spalten kann.

Identität spielt in der Kunst eine wichtige Rolle, weil man ein Spiegel der Welt sein kann. Das ermöglicht anderen, die etwas mit einem gemeinsam haben – ähnliche Gefühle zu den Geschlechtern, eine ähnliche Herkunftsgeschichte –, sich selbst darin zu spiegeln. Ich denke, es ist gut, gesehen zu werden, und auch, Zeuge der anderen zu sein.

Wie sieht Ihr Arbeitsraum aus?

Mein Schlafzimmer ist mein Studio – Selbstständigkeit kann beängstigend und heikel sein, aber auch aufregend und stärkend, und ich liebe die Idee, ein Schlafzimmerreich zu haben.

Es ist ein beruhigender Haltestrick, der mir auch viele Möglichkeiten eröffnet hat, die ich ansonsten nicht gehabt hätte. Ich fühle mich sehr mobil, für die Arbeit nach London fahren oder nach Leicester reisen zu können und zugleich diese Basis zu haben, zu der ich zurückkehren kann.

Wir haben Glück, in einer digitalen Ära der Mobilität zu leben, und mir hat es geholfen, mich darauf einzulassen. Oft meinen Designer, dass man für eine Designkarriere ein Studio braucht, aber man kann die Dinge auf seine eigene Weise angehen.

Was mir gerade am besten gefällt, sind Meetings im Pyjama. Ich habe das Gefühl, „es geschafft“ zu haben, wenn ich einen Anruf entgegen nehme, während ich in der anderen Hand eine Schüssel Müsli halte.

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Designer?

Mach, was dir gefällt, aber stell auch sicher, dass es die Rechnungen bezahlt. Es ist ein hartes Geschäft, aber man muss sich darauf konzentrieren, warum man es macht. Ich habe so lange im Bereich Typografie und Branding für Unternehmen gearbeitet – überhaupt keine Illustrationen. Es war spannend, weil ich als Grafikdesignerin arbeitete, und das gefällt mir, aber mein Ziel war, dass nicht nur meine Tätigkeit, sondern meine Kreationen spannend sein sollten.

Es wird nicht bei jedem Projekt so sein, aber das ist in Ordnung. Und nicht alles wird Spaß machen – 90 % der Arbeit bestehen aus E-Mails, Meetings und Rechnungen – aber diese 10 %? Nun ja, sie sind den ganzen Rest wert. Dein Gehirn arbeitet bei 160 km/h, das Adrenalin schießt durch den Körper … Es ist großartig. Also finde das, was dich wirklich antreibt, was immer es sein mag, und laufe dem hinterher, so weit du kannst.

Und schließlich, hör auf dein Bauchgefühl, denn das sagt dir besser, wo es lang geht, als irgendetwas sonst. Lass dich treiben, aber sei strategisch. Plane ein paar Monate – keine Jahre – im Voraus und rekapituliere regelmäßig diese Pläne, um herauszufinden, wo du stehst.

Sie haben Friday Night Sketch zum Thema „Mapping Memories“ moderiert. Was bedeutet dieser Prozess für Sie?

Wenn ich an mein Leben denke, stelle ich es mir wie eine Pinnwand vor, auf der alles miteinander verbunden ist, von meiner Arbeit bis hin zu meinem Sozialleben. Ich muss allen Dingen Gestalt verleihen, etwas Sichtbares, damit ich sie verstehen kann, und ich glaube, eine Erinnerungskarte eignet sich perfekt dafür.

Es ist, als packe man alles Schwere in seinem Gehirn auf eine Seite – dann kann man Ordnung hineinbringen und seinen Weg finden. Sobald man eine Karte hat, kann man sich überall auf der Welt zu Hause fühlen.

Inspiriert? Die Illustratorin Erin Aniker hat sich für Friday Night Sketch mit Heimat und Identität auseinandergesetzt. Erfahren Sie mehr.

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