August 16, 2016

Illustratorin Claudine O’Sullivan erhellt uns über ihre freiberufliche Karriere

Die irische Illustratorin Claudine O’Sullivan fand einen geradezu brüllenden Zuspruch mit ihren Tierbildern. Es ist ihr gelungen, eine erfolgreiche freiberufliche Karriere aufzubauen und dank ihres geschickten Networkings stehen u.a. Tiger Beer, MTV und Apple auf ihrer Kundenliste. Wir verbrachten einen Nachmittag mit Claudine und diskutierten über Freelancing, Komfortzonen und harte Arbeit.

Claudine O'Sullivan Business Cards Stickers

Wie ist es dazu gekommen, dass du dich in der Welt der Illustration wiederfindest?

Ich hab’ schon als Kind gern gezeichnet, hatte aber nie vor, das später mal beruflich zu machen. Ich war gut in der Schule und dachte immer, ich würde mal einen normalen Beruf ergreifen – bzw. das, was ich mir damals darunter vorstellte. Nachdem ich ein Jahr Medien und Journalismus an der Universität studiert hatte, merkte ich, dass Schreiben nicht unbedingt meine Stärke war. Ich beschloss, mich für ein Kunststudium zu bewerben. Ich stellte ein Portfolio zusammen und bekam einen Platz an einer Modeschule in London. Als ich feststellte, dass mir das auch nicht so lag, bewarb ich mich für ein Grafikdesignstudium mit Schwerpunkt auf Illustration. Zeichnen war das, was ich im Verlauf meines Lebens immer gemacht habe, und erst jetzt geht mir so langsam auf: „Hey, das ist mein Job“.

Claudine O'Sullivan Animal Illustrations

In letzter Zeit hast du an ein paar ziemlich spannenden Projekten gearbeitet. Was war bisher dein Lieblingsauftrag?

Ich liebe Jobs, bei denen ich Sachen machen muss, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Für Tiger Beer habe ich letztes Jahr ein Live-Kunst-Event gemacht – ein 2 x 2m großes Wandgemälde in einem gerammelt vollen Pub in Dublin. Es war toll, aber der Zeitdruck war enorm. Die zu illustrierende Fläche bestand aus 36 kleinen Quadraten, die am Ende verteilt wurden. Das ist etwas, was ich sonst nie gemacht hätte.

Claudine O'Sullivan Business Cards Stickers

Findest du es wichtig, aus deiner Komfortzone herauszukommen?

Definitiv. Rückblickend finde ich, dass die meisten meiner besten Arbeiten entstanden sind, wenn ich gezwungen war, meine Komfortzone zu verlassen. Mein Fuchs ist eine meiner beliebtesten Illustrationen und das ist schon komisch, wenn ich bedenke, unter was für einem Druck er entstanden ist. Die Veranstalter des Londoner Design Festivals forderten in letzter Minute ein paar Illustrationen für meine bevorstehende Ausstellung. Das sind Leute, zu denen man nicht einfach sagen kann: „Lass‘ uns das auf später verschieben“. Ich arbeitete die ganze Nacht durch, um den Fuchs fertigzustellen. Ich habe keine Minute geschlafen. Am nächsten Tag wurde er eingerahmt und erwies sich als das Paradestück der Ausstellung.

Claudine O'Sullivan Business Cards Stickers

Wie vermarktest du dich?

Ich habe meine eigene Website mit einem Portfolio meiner abgeschlossenen Arbeiten, aber ich finde, Social Media ist die perfekte Art, meiner Arbeit ein Gesicht zu geben. Ich gehe auch viel unter die Leute und betreibe Networking – ich verteile meine Visitenkarten, wo immer ich kann, weil sie meine Arbeit auf extrem visuelle Art ins Gedächtnis rufen.

Claudine O'Sullivan Business Cards Stickers

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen?

Ich würde liebend gern sagen: „Ja klar, schmeiß’ deinen Job und mach’ das, was du liebst“, aber das wäre nicht angemessen. Es ist wichtig, sich im Klaren darüber zu sein, wieviel harte Arbeit dahintersteckt. Man muss Willens sein, in jeder Situation so hart wie möglich zu arbeiten, komme was da wolle. Es ist beängstigend, aber es ist ein fantastisches Gefühl, wenn man den Schritt wagt.

Claudine O'Sullivan Building Illustration

Sonstige Perlen der Weisheit zum Abschluss?

Es ist wichtig, ein Werk nicht endlos zu überarbeiten, man muss lernen, zu erkennen, wenn es fertig ist und loszulassen..

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