February 23, 2017

Branding für ein Tattoo-Studio

Grafikdesign, Illustration und eine akribische Detailgenauigkeit machen Lucy Frost zu einer formidablen Künstlerin und Geschäftsfrau. Wir trafen uns mit ihr, um herauszufinden, wie sie sich ihren eigenen Weg gebahnt hat und wie sie ihren individuellen Stil in ihre Aufträge einbringt – und in ihre Marke.  

Ascot, ein Ort im Grünen, eine Stunde von London entfernt, ist weltbekannt für seine Pferderennbahn. Aber jetzt gibt es dort auch einTattoo-Studio, LVLF, geführt von der ambitionierten jungen Künstlerin Lucy Frost. Für die meisten Tätowierer ist der in der Branche übliche Karriereweg vorgezeichnet, sie arbeiten in einer Reihe von Studios, bevor sie ein eigenes eröffnen. Nicht so für Lucy – nach nur einem Jahr als Auszubildende des berühmten Tattoo-Künstlers Dan Gold eröffnete sie ihr eigenes Studio mit einer Marke und einem Stil, die ganz ihr eigen sind.

Lucy Frost LVLF

Wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Mein Background ist in Grafikdesign, ursprünglich. Während ich am College war, habe ich im berühmten Londoner Club Fabric ein Praktikum gemacht. Danach arbeitete ich 5 Jahre bei Peterborough Speedway, wo ich das Branding und die Programme gestaltete.

Zum Tätowieren kam ich erst später, während ich in Guatemala herumreiste. Ich habe ein paar Leute kennengelernt, mit denen ich mich sehr gut verstand, also ging ich zurück und lebte mit einheimischen Freunden in einem Tattoo-Studio. Da ich ständig gezeichnet habe, boten sie an, mir das Tätowieren beizubringen. Als ich nach London zurückkehrte, habe ich über hundert Tattoo-Shops gemailt, um eine Ausbildungsstelle zu finden. Mir wurden drei angeboten und ich entschied mich für Dan Gold.

Anfangs war es sehr nervenaufreibend, an Tätowierungen zu arbeiten – man denkt ständig daran, dass man keinen Fehler machen darf! Aber wie es immer der Fall ist, gewöhnt man sich mit der Zeit daran. Nach ca. einem Jahr habe ich eine neue Stelle gesucht. Ich hatte auch beschlossen, London zu verlassen, und dann stieß ich auf diesen Laden, der zu vermieten war. Es schien einfach die richtige Entscheidung zu sein, alles ergab sich ganz natürlich und ich habe mich wohl damit gefühlt. Ich war schon immer sehr ehrgeizig, und meine Eltern führen auch ihr eigenes Unternehmen, also liegt es in der Familie.

Lucy Frost LVLF

Dein Stil ist wunderbar komplex – wie hat er sich entwickelt und wie passt du ihn jedem Kunden an?

Ich glaube, man kann meinen Background in Grafikdesign in meiner Arbeit erkennen. Ich arbeite sehr präzise und bin extrem perfektionistisch. Es sind alles meine eigenen Entwürfe, ich glaube, wenn man meine Arbeiten sieht, weiß man sofort, dass sie von mir sind.

Ich treffe jeden Kunden vorab zum Beratungsgespräch. Wenn sie in der Nähe wohnen, kommen sie vorbei, wenn nicht, sprechen wir online. Ich finde, es ist schwierig, seine kreativen Vorstellungen in einer Email oder Nachricht zu vermitteln, deshalb bevorzuge ich das Gespräch. Wir besprechen das Gefühl, das zum Ausdruck kommen soll, und schauen uns Referenzbilder an, um das Design zu entwickeln. Einige Leute wollen etwas Schweres, mit kräftigen Linien, andere mögen es leicht und detailliert, wieder andere organisch. Ich mache auch einen Umriss der Stelle, wo sie das Tattoo platzieren wollen, damit ich weiß, wie groß es sein wird. Dann mache ich eine Skizze des Designs und schließlich erstelle ich die Vorlage in Adobe Illustrator.

Neben deiner Tätowierungsarbeit bist du auch damit beschäftigt, eine Marke aufzubauen, seit du dein eigenes Unternehmen gegründet hast. Wie hast du das Branding von LVLF gestaltet?

Ich habe das gesamte Branding selbst entwickelt. Meine Tattoos sind weitgehend von der Natur inspiriert und von der Kunst, die ich während meiner Reisen entdeckt habe. Das kommt auch in der Marke zum Ausdruck. Ich war sofort von den Karten mit Goldfoliendruck bei MOO begeistert und musste welche haben. Die Designs für meine Karten habe ich in Illustrator erstellt und anschließend das Endergebnis hochgeladen. Eine Visitenkarte ist das Erste, was die Leute von meinem Unternehmen sehen – und  MOOs Qualität ist unübertroffen!

Im Moment mache ich hauptsächlich durch Social Media und meine Website Werbung. Ich hatte geplant, in der näheren Umgebung Flyer zu verteilen, aber bisher war es noch nicht nötig, weil ich schon beschäftigt genug bin. Ich gewinne viele Kunden durch Facebook und Instagram und auch durch Mundpropaganda. Ich tätowiere mitunter ganze Gruppen von Freunden und auch Leute, die ich auf Reisen kennengelernt habe, wenn sie in England sind.

Ich bin noch nicht allzu lange in der Gegend, daher schätze ich, dass ortsansässige Kunden nur etwa 25% meiner Arbeit ausmachen. Der Rest kommt von überall her. Momentan arbeite ich mit einem Kunden aus Paris und es kommen viele aus London, die mich aus meinem alten Studio kennen. Jedes Tattoo ist anders, jede Person ist anders, aber ich habe einen ganz eigenen, einzigartigen Stil, der in allen meinen Arbeiten unverkennbar ist.

Lucy Frost LVLF

Viele Leute wären nervös, deinen Weg zu gehen und schon so früh ihr eigenes Unternehmen zu gründen – hast du einen Rat für sie?

Mach’ es einfach. Hab’ keine Angst. Wenn du ein Talent hast und Leute mit dir arbeiten wollen, dann wage den Sprung. Es ist soviel besser, für sich selbst zu arbeiten und seine eigenen Gewinne zu erzielen. Man muss anfangs investieren, das schreckt viele Leute ab, aber es lohnt sich. Ich freue mich auf alles, was die Zukunft bringt, weil ich meine Arbeit liebe.

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