November 15, 2016

Die Freude am Auspacken: Miriam Brafman von Packlane

Ein gut gestaltetes Produkt zu haben ist nur die halbe Miete für Marken, die ihre Waren per Versandhandel vertreiben. Ansprechende, gut durchdachte Verpackungen können für einen Extrakick sorgen und die Beziehung zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden stärken. Darauf war die ehemalige Programmiererin Miriam Brafman aus, als sie Packlane gründete, ein Start-up, das es Marken ermöglicht, mit wenigen Klicks schöne Boxen zu gestalten.

Die große Idee

Brafman wuchs im Silicon Valley auf, wo ihre autodidaktisch erlernten Webentwicklungs- und Designfähigkeiten schließlich zu einem Vollzeitjob als Entwicklerin von Web-Interfaces für Wissenschaftler führten. „Die Arbeit sagte mir nicht wirklich zu und ich wollte etwas viel Kreativeres machen“, sagt sie.

Dieses „Kreative“ nahm konkretere Gestalt an und wurde zum Beschluss, ihr eigenes Unternehmen zu gründen – allerdings hatte sie keine Ahnung, was das Produkt sein würde. Stattdessen war sie inspiriert von dem Gedanken, eine Marke um das Produkt herum zu gestalten, eine, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde. „Mir gefiel die Idee, ein wirkliches Markenerlebnis zu schaffen“, sagt sie.

Also begann Brafman, Wege zu recherchieren, das Material zu erstellen, um ihrem imaginären Produkt einen realen, taktilen Charakter zu geben – von hübschen Beilagen für Verpackungenbis hin zur Box selbst. Doch alas, ihre Online-Suchanfragen waren erfolglos. Es schien tatsächlich keinen einfachen Weg zu geben, gutaussehende, personalisierte Verpackungen zu erstellen. „Das brachte mich auf den Gedanken, dass dies für sich genommen ein wirklich interessantes Projekt war: einen Weg für Designer wie mich zu finden, schöne Verpackungen auf einfache Art online zu kreieren“, sagt sie. „Es gibt ausführliche Blogs über Verpackungsdesign“, sagt sie. „Aber es gab keine Hersteller, die sich den wirklich schönen Designaspekt von Verpackungen zunutze machten.“

Marktforschung

Von diesem Moment an begann die Entstehungsgeschichte von Packlane. „Eins der ersten Dinge, die ich anging, war Marktforschung“, sagt Brafman. „Ich wollte sehen, ob es andere Leute gab, die den gleichen Bedarf hatten, also begann ich, mich in verschiedenen Foren und Communities umzusehen. Darunter war eine Community mit Schwerpunkt auf Abo-Boxen, die zu der Zeit gerade in Mode kamen.“

Wie Brafman feststellte, waren die physischen Boxen eins der Themen, die in diesen Foren und Facebookgruppen immer wieder aufkamen – die Container, in denen diese Unternehmen ihre monatlichen Rationen an Kosmetika, gesunden Snacks oder Schmuck versendeten. Viele dieser Unternehmen hatten fantastisches Branding für ihre Websites oder Visitenkarten, aber sie brauchten ein Mittel, um dieses Markenerlebnis bis vor die Haustür der Kunden zu liefern.

Founder, Packlane

Entwicklung und Präsentation

Mit der Gewissheit, eine Marktlücke entdeckt zu haben und jeder Menge Designinspiration machte Brafman sich an die Arbeit und entwickelte ein interaktives Tool, mit dem Marken ihre eigenen Boxen und Verpackungen gestalten können. „Da ich Webentwicklerin bin, konnte ich einfach anfangen, es zu bauen“, sagt sie. „Ich musste niemanden anheuern und konnte gleich mit der Durchführung aller Aspekte des Projekts beginnen.“

Um die Idee zum Leben zu erwecken, brauchte Brafman Visuals für die Website, also mietete sie ein Fotostudio in San Francisco und fing an, Bilder von Verpackungsbeispielen zu machen. Als sie ein konkretes Produkt und eine funktionierende Website vorzuweisen hatte, begann sie, sich an Anbieter und potenzielle Kunden zu wenden.

Countdown zum Launch

Brafman arbeitete zunächst weiterhin in ihrem Job im Labor, aber in den Monaten vor dem Launch wurde ihr klar, dass sie nicht beides machen konnte. „Ich war durch die Arbeit an Packlane wirklich abgelenkt, also beschloss ich, das Risiko einzugehen, meinen Job aufzugeben und mich ganz auf Packlane zu konzentrieren“, sagt sie.

Also ging Brafman an den Start und nach und nach tröpfelten die ersten Aufträge herein. „Mein Kundenstamm wuchs zuerst sehr langsam. Der Durchbruch kam, nachdem ich ein paar Monate im Geschäft war und immer mehr Kunden gewann, die wirklich zufrieden waren und ihren Freunden davon erzählten“, sagt sie.

Es kamen Aufträge von Unternehmen aller Art, darunter Abo-Box-Firmen, Dentalgerätehersteller, Bildungseinrichtungen und viele andere. „Für uns ist es eine große und spannende Sache, den Markt für Verpackungen zu erweitern“, sagt sie. „Es gibt auch viele neue Anwendungsfälle, z.B. Boxen für Mitarbeitergeschenke – die Leute würden dafür keine Box mit Branding kaufen, wenn sie nicht so leicht zugänglich und handlich wäre.“

Founder, Packlane

Die Herausforderungen des Erfolgs

Es mag aussehen, als sei Brafmans Reise glatt verlaufen, aber in Wirklichkeit stößt sie ständig auf neue Herausforderungen. „Man muss viele neue Dinge lernen, wie Kundenservice und Betriebsführung“, sagt sie. „Man muss organisiert bleiben und auch schnell agieren, um neue Tools zu entwickeln. Viele Entscheidungsfragen sind sehr stressig.“ Zum Beispiel erkannte sie, dass es bei der Erstellung eines benutzerdefinierten Produkts wichtig ist, Richtlinien festzulegen, wie man zwischen Kunden und Lieferanten vermittelt, was ein schwieriger Balanceakt für ein neues Unternehmen ist.

Mittlerweile ist das Team gewachsen und Packlane hat heute ca. ein Dutzend Mitarbeiter, aber selbst das war eine schwere Entscheidung. „Für mich als Entrepreneurin ist es schwer zu wissen, was ich delegieren soll“, sagt Brafman. „Und Leute einzustellen und das richtige Team aufzubauen ist immer eine Herausforderung.“

Während Packlane weiter wächst, achtet Brafman darauf, dass das Unternehmen einen seiner zentralen Werte beibehält: gutes Design. „Wir wollen Leuten helfen, besser zu präsentieren, wer sie sind“, sagt sie. „Design ist so entscheidend, um eine Marke professionell aussehen zu lassen.“

Irgendwelche Ratschläge?

Während Brafman anerkennt, dass Networking wichtig ist, gibt sie zu, dass es absolut nicht ihre Stärke ist. Um diese Hürde zu überwinden, ist sie schon früh in ihrer Start-up-Karriere einem Coworking-Space beigetreten. „WeWork war fantastisch“, sagt sie. „Jede Art von Community, die einem hilft, mit mehr Leuten in Kontakt zu kommen, die nicht nur Zielkunden sind, sondern auch als potentielle Mitarbeiter infrage kommen, ist super-wertvoll für ein Unternehmen im frühen Stadium.“

Ihr abschließender Rat ist ein bisschen unkonventionell: „Es gibt jede Menge Informationen online über „den richtigen Weg“ ein Start-up zu gründen“, sagt sie. „Man braucht Investitionsgeld, muss Beteiligungskapital beschaffen, einen Mitbegründer finden, einem Accelerator beitreten. Aber ich habe gemerkt, dass man nicht unbedingt all diese Regeln befolgen muss.“ Brafman weiß definitiv, wovon sie redet – nachdem sie ihr unternehmerisches Abenteuer ohne Beteiligungskapital, einen Mitbegründer oder einen Accelerator begonnen hat, führt sie jetzt das florierende Unternehmen, von dem sie immer geträumt hat.

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